Der Ladebooster, das unbekannte Wesen

Es dauert bis zum später Vormittag des nächsten Tages, bis die Akkus wieder aufgeladen sind. Immerhin habe ich zusammen 180 Amperestunden Kapazität mit beiden Kabinenakkus, die mir dauerhaft Strom lieferten sollen.

Ich habe gestern fleißig bei Alan zugeschaut und dadurch viel über die Lichtmaschine, die Stromspannungen der Batterien und über’s Strom messen gelernt. Und ich hatte mir für die Reise ein Strommessgerät zugelegt, einen Multimeter. Ohne zu wissen, wie man das Ding bedient. Für alle Fälle halt. Der Fall ist jetzt da!

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Alan lässt sich am Vormittag nicht blicken, also machen ich mich selbst daran, alles zu testen. Gestern kamen bei laufendem Motor vorne nur 11,8 bis 12,1 Volt an der Starterbattrie an, also wurde nicht geladen. Hinten waren es 12,8 bis 14,4 V, dort wurde also geladen. Je höher die Spannung, desto schneller wird aufgeladen. Heute morgen kommen nun auch vorne wieder 12,7 bis 13,6 V an. Georges Theorie ist also aufgegangen! Und ich kann mit dem Multimeter umgehen. 🙂 Ich und Elektrik…

Ich warte auf Alan, der bestätigt die Ergebnisse. Ich kann also weiter. George hat mir noch einen Provinz-Park am Lake Ontario wärmstens empfohlen und so beschließe ich, dort hin zufahren. Falls ich Probleme hätte, wäre ich noch in der Nähe. Alan gibt mir seine Nummer.

Und dann gibt’s auch die Rechnung. 1100,- Dollar, wovon ich 460,- für das Abschleppen von meiner amerikanischen Kfz-Versicherung THUM erstattet bekomme. Immerhin. Trotzdem ein Batzen Mehrausgaben…

Am Lake Ontario ist es echt schön und nun weiß ich auch, warum es “die großen Seen“ heißt. Der Ontariosee ist mit Abstand der kleinste der fünf großen Seen – und trotzdem schon über 35 mal so groß, wie der Bodensee! Man kann das andere Ufer nicht sehen, es fühlt sich an, wie am Meer.

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Abends klappe ich den Laptop auf, um weiter an dem Bericht zu schreiben. Aber der Bildschirm blitzt und flackert nur noch! Ich starte das Gerät mehrfach neu. Das habe ich meinen Kollegen auf der Arbeit auch immer wieder eingetrichtert. Wenn der Rechner oder ein Programm sich aufgehangen hat, hilft in 90 Prozent der Fälle das AEG-Prinzip: Ausschalten, einschalten, geht. 😉

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Aber hier hilft es nicht! Ich bin frustriert.
Ohne Rechner ist das Bloggen ganz anders, das Tippen dauert länger, keine Text-, Bild- und Videobearbeitung, ich komme nicht an die Fotos aus der richtigen Kamera. Nur mal ein Schnappschuss vom Handy. Ich kann keine Datensicherung machen…

Und das Gerät müsste ich aus Garantiegründen nach Deutschland schicken. Und von da aus muss es repariert oder neu nach Kanada zurück geschickt werden. Das heißt irgendwo auf das Teil warten. Zu weit vorausschicken geht auch nicht, da Postlagerungen in der Regel nach einer Woche wieder Retour gehen. Also ein riesen Aufwand…

Ich bleibe die Nacht hier und prüfe am Morgen die Spannungen aller Batterien. Es ist nicht behoben. Meine Starterbatterie entleert sich wieder und wird nicht geladen.

Dank Alan weiß ich aber jetzt, was zutun ist. Will ich vorne laden, muss ich die Leitung nach hinten abschrauben. Ist nicht schwer, nur lästig. Es werden halt nicht (mehr) beide Seiten geladen. Wenn ich drauf achte und die Leitung fleißig wechsele, müsste es gehen.

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Auch, wenn das ganz und gar nicht der Sinn der über 1000,- Euro teuren Installation des sogenannten Ladeboosters war. Vermutlich ist mit der Elektronik im Lader was nicht in Ordnung. Reklamation ist kaum möglich und noch schwieriger als beim Laptop. Das könnte ich zurück ja schicken.

Ich habe den Ladebooster MT-LB 45 von Büttner. Das ist ein Hightechgerät für die  Verwendung im Boots- und Wohnmobilausbau. Ein Spezialgebiet in dem sich nicht mal jeder aus der Szene auskennt.

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Wozu braucht man einen Ladebooster? Eine wichtige Aufgabe ist es, Start- und Bordbatterien zu trennen. Wird in der Kabine Strom entnommen, sollte auf keinen Fall die Starterbatterie entladen werden! Das wurde früher mit einem Trennrelais gewährleistet. Aber mit einem solchen Relais wird die Ladung nicht kontrolliert und gesteuert. Und die Akkus in der Kabine werden nicht richtig und nicht vollgeladen, wenn die Batterie vorne schon voll ist und darum die weitere Ladung runtergeregelt wird.

Außerdem funktionieren die Akkus in der Kabine ganz anders, als die Starterbatterie. Diese ist vorne dazu ausgelegt, einmal kurz einen hohen Strom für den Motorstart zu liefern. In der Kabine ist es hingegen dafür ausgelegt, um über eine lange Zeit eine niedrige Stromabnahme zu liefern. Vor allem für Kühlbox und Licht. Aber auch, um alle anderen Geräte aufzuladen, vom Handy bis zur Drohne.

Dafür sind auch verschiedene Batterietypen nötig, die mit unterschiedlichen Kennlinien geladen werden müssen. Und das kann der Ladebooster. Das war eins der Themen, mit denen ich mich beim Ausbau der Kabine vor der Reise ausgiebig beschäftigen musste.

Vorne ist ein normaler Nass-Bleiakku, hinten ein AGM Akku. Das ist eine Weiterentwicklung mit Absorber-Gel-Matten (Flies). Die kann man auch tiefer entladen, als normale Autobatterien. Bis zu 50 Prozent, ohne dass es den Akkus schadet.

Ich war aber ja wohl auf 30 Prozent runter. Hoffentlich ist nichts kaputt gegangen.

Aber nun sind sie ja wieder voll und ich klemme sie ab. Und damit beginnt eine Zeit des munteren An- und Abklemmens der Kabinenakkus. Prinzipiell dreimal pro Fahrt, damit an Anfang und Ende die Starterbatterie geladen wird, damit ich nicht wieder liegen bleibe. Und in der Mitte dann die Kabinenakkus. Sehr nervig!

Ich fahre weiter nach Toronto. In Kanadas größter Stadt sollte ich wohl Lösungen finden. Aber erstmal habe ich keine Lust mehr auf jede Art von Batterien und mache Sightseeing. Dann ist hier langes Wochenende, weil der Montag ein Feiertag ist.

Ich treffe Ned und seine Freunde am Strand. Sie sind alle Musiker und Tontechniker. Super! Und Ned lädt mich ein, mir ihr Studio “The Hive“ zu zeigen, in dem er arbeitet. Dort haben sie zusammen auch die Plattform http://www.bedtracks.com aufgebaut, eine online Bibliothek mit Hintergrundmusik für Filme, Fernsehen und Hörbücher. Klar nehme ich die Einladung an!

Als ich in der King Street East 501 eintreffe, empfängt mich zunächst Street Art von Feinsten. Ein ganzes Künstlerviertel, wie es scheint.

Ich klingel und Ned holt mich ab, um mich in die Katakomben von THE HIVE zu führen. Ich bin ziemlich überrascht. Erwartet hatte ich ein kleines Hinterhof-Studio. Was Selbstgebautes vielleicht sogar. Tatsächlich stehe ich in einem trendy und chic ausgebauten Kellergeschoss, mit zwei Labels, einem Gewirr an Gängen und weit mehr als zehn Studios mit Aufnahme-, Schneide-,  Produktions- und Präsentationsräumen. Und überall stehen Klaviere rum, überall! Hut ab, was die Jungs um die Dreißig da aufgebaut haben!

Ned nimmt sich Zeit für mich, zeigt mir alles und bietet seine Hilfe an. Perfekt! Ich frage ihn, ob er einen Computerladen und eine Autowerkstatt empfehlen kann. Das ist doch tausendmal besser, als sich wahllos durch die “gelben Seiten“ von Toronto zu kämpfen.

Leider führen seine Empfehlungen mich auch nicht weiter. Drei weitere Werkstätten lehnen ab, an meiner unbekannten Elektrik zu arbeiten. Ich renne von Pontius nach Pilatus.

Beim Laptop stellt sich heraus, dass der Bildschirm ausgetauscht werden muss, aber das Teil nicht zu bestellen ist. Das hin und her Schicken nach Deutschland ist mir aber eigentlich zu kompliziert.

Zu guter Letzt verliere ich Depp auch noch mein Portemonnaie. Ob es im Auto irgendwo zwischengerutscht oder mir im Bus aus der Tasche gefallen ist, weiß ich nicht. Ich stelle den Jung natürlich auf den Kopf, finde aber nichts.

Ja, nee. Is klar…

6 Gedanken zu “Der Ladebooster, das unbekannte Wesen

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