Ey, ich und Elektrik…

Abends fahre ich wieder in die Stadt und mit dem selben Bus zurück, wie gestern. Außer mir ist nur ein weiterer Gast im Bus. Als die Frau ausgestiegen ist und ich alleine bin, dreht sich der Faher um und fragt, ob ich gestern auch mit diesem Bus gefahren wäre. Ich sage ja.

“What’s your name?“
“Dominik“ sage ich.
Er: “Yes, that’s right. I found your wallet! – Ja, das passt. Ich habe deine Brieftasche gefunden!“

Das gibt es doch nicht! In einer Stadt mit 2,6 Millionen Einwohnern erwische ich zweimal den selben Busfahrer, der findet mein Portemonnaie und erkennt mich auch noch wieder! Ich bin platt. Er sagt, es sei noch alles drin gewesen. Visa-Karte, Führerschein, Geld. Er hat es natürlich abgegeben, nach dem langen Wochenende könnte ich es im Fundbüro in der Bay Station abholen.

Wow! Was für ein Glück! Ich glaube, was er sagt, und gebe ihm beim Aussteigen gleich seinen Finderlohn. Er freut sich, aber ich mich noch mehr. 🙂 Und es kommt auch so. Ich bekomme das Portemonnaie wieder und ALLES ist noch drin.

Mann, Mann, ab jetzt muss es bergauf gehen!

Endlich finde ich auch eine Werkstatt, die sich spezielle mit Autoelektrik beschäftigt und ich bekomme freundlicherweise am übernächsten Tag schon einen Termin. Aber wie soll ich denen das mit dem Ladebooster erklären? Ich lade die Bedienungsanleitungen von Booster und Batteriecomputer herunter und versuche wohl oder übel mich einzulesen. Aber ich habe inzwischen einziges gelernt und Schaltpläne und Gerätedaten sind ja universell zu verstehen.

Aber erstmal gibt es am Strand von Cherry Beach im Herzen Torontos ein Wiedersehen mit Bernd und Claudia! Sie haben ihren Defender inzwischen rundüberholt, haben sich von Mike und Rupert verabschiedet und mich eingeholt. Wie schön, sie wiederzusehen! Wir holen uns Hotdogs vom Büdchen und quatschen bis spät am Abend.

Und am Mittwoch sind doch tatsächlich auch Eric und Sophia in Toronto. Wir hatten uns am White Point am Cabot Trail getroffen und einen schönen Lagerfeuerabend zusammen verbracht. Auch sie lotse ich nach Cherry Beach und so habe ich zwei Tage hintereinander Besuch. 😉 Ich bin jetzt schon fast eine Woche in Toronto und komme wegen den ganzen Problemen nicht weg.

cof

Aber Eric ist ein richtiger Schrauber! Er hat sich sich den alten Nissan Patrol dadurch von seinem Vater verdient, indem er ihn komplett auf- und umgebaut und TÜV fertig gemacht hat.

Die Lösung für mein Batterieproblem sehe ich darin, einen Schalter zwischen zwischen Starter und Booster zu setzen, damit ich das nicht immer abschrauben muss. Das will ich eigentlich in der Werkstatt machen lassen. Aber Eric sagt: “Kein Problem, einen Schalter kann ich dir einbauen, die Klemmen habe ich dabei!“

Genial! Nur den Schalter müssen wir noch kaufen. Also düsen wir zusammen zum Canadian Tire – dem OBI Kanadas – und Eric findet auch gleich die Elektrikecke. Schalter gibt es für 16 Ampere, aber reichen die aus? Mit meinem Grundwissen und den Schaltplänen kommt Eric zu dem Ergebnis, dass mein Booster viel zu stark für diese Schalter ist. Sie würden schmilzen, bei der Leistung, die der zieht. Und einen so kräftigen Schalter gibt es hier leider nicht.

Dafür gibt es eine eigene Rolltreppe für Einkaufswagen. Sowas hat noch keiner von uns gesehen. Die müssen wir natürlich ausprobieren und haben unseren Spaß dabei. Hier das Video dazu:

Abends kochen die beiden und es gibt super leckere Lachsburger und Bratkartoffel.

Fehlt diesmal nur das Feuer. Aber Treibholz gibt es hier leider nicht und Holz zu kaufen, ist mir zu spät eingefallen. Das holen wir in den Rockys nach.

Ich denke, ich werde dort beide Pärchen wieder treffen. 😉

Aber nun muss ich meine Elektrik und den Ladebooster verstehen. Sonst ist der Termin in der Werkstatt nur die Hälfte wert. Ich lese mir die Anleitung fünfmal durch, versuche die Verkabelung zu verstehen, wofür welche Leitung ist und wann sich was an- und abschaltet. Und dann gibt es zwei Seiten mit Grundeinstellungen und den Hinweis, dass man die im Gerät umschalten muss. Dazu muss man das Anzeigefeld abschrauben. Und da habe ich dann wohl endlich einen wichtigen Teil des Problems gefunden!

Es gibt vier wichtige Minischalter für die Voreinstellungen des Gerätes. Zwei sind für die Schwellenwerte, wann der Booster anfängt zu arbeiten. Und die waren viel zu niedrig eingestellt, was ja zu dem Problem passt. Ich stelle es um und muss das System jetzt weiter beobachten, wie es unter unterschiedlichen Ladeständen arbeitet. Endlich, endlich zeichnet sich eine Lösung ab.

In der Werkstatt wundert sich der nette Techniker mal wieder über mein System, hat er noch nie gesehen. Ich zeige ihm den Schaltplan, erkläre, wie es theoretisch funktionieren soll und, dass ich gestern die Schaltschwellen geändert habe. Er misst alles durch, prüft die Ladespannungen und dass kein Strom zwischen den Batterien hin und her fließt und meint, es wäre alles in Ordnung! Ich hätte das wohl richtig gemacht. Er ist regelrecht begeistert vom Ladeverhalten des Boosters, “That’s beautiful!“ sagt er mehrfach. So was Modernes und Ausgereiftes hätten sie hier gar nicht. Ok, denke ich, wenn es dann auch tut, was es soll…

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Er hat unter anderem die ganzen Polizeiautos von Toronto auf LED umgebaut und ein System installiert, das bei zu niedriger Batterie automatisch den Motor startet. Vorher sind die Polizeiwagen öfter selbst liegen geblieben, wenn sie zu lange mit Blaulicht irgendwo gestanden haben.

Also habe ich hier wohl den Richtigen Techniker erwischt! Er prüft noch den Zustand der Kabinenakkus unter Last, ob sie durch das tiefe Entladen Schaden genommen haben. Aber auch hier ist alles optimal. Es ist also nichts kaputt und sie müssen auch nichts mehr machen. Für die Überprüfung zahle ich nur 44,- Dollar!

Ich hab’s wohl tatsächlich selbst gefunden. Nach zwei Wochen kann’s jetzt endlich weitergehen!
Ey, ich und Elektrik…

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3 Gedanken zu “Ey, ich und Elektrik…

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