Toronto

Toronto ist riesig! Gegenüber deutschen Großstädten ist das hier erschlagend. Angeblich nach New York City die Stadt mit den meisten Hochhäusern in Nordamerika. Toronto selbst hat 2,8 Mio. Einwohner, die Region mit den angrenzenden Städten über 8 Mio. Nach den teilweise schon sehr einsamen und bewaldeten Gebieten in den Maritimes ein glatter Kulturschock.

dav

Ich habe gut Stress beim Reinfahren. Der Trans Canada Highway 401 verbreitert sich auf einmal schnell von 4 auf bis zu 20 Spuren. Hier verlaufen zwei oder drei 3- bis 5-spurige Autobahnen parallel. Und gehen in einander über. Und… haben Ausfahrten rechts UND LINKS!

Noch dazu ist hier ja rechts überholen erlaubt. Alter Schwede, das ist mal eine Herausforderung! Und das Navi hat mich auch noch immer zwischen den Autobahnen hin und her geschickt, mehrfach rechts und links gewechselt, aus mir nicht ersichtlichen Gründen. Denn es ging eigentlich nur geradeaus.

Screenshots aus Google Maps.

In der City dann in zwei Etagen.

sdr

Downtown Toronto.

Übernachten an Cherry Beach.

Dank der App iOverlander bin ich zwar mitten in der Stadt gelandet, stehe trotzdem am Sandstrand von Cherry Beach! Luftlinie nur 3 Kilometer vom CN Tower entfernt. Dabei ist Toronto so riesig. Habe noch auf der Karte gesehen, dass das Stadtgebiet 57 km lang ist. Aber da es am Ontariosee liegt, ist man auch fast überall schnell am Strand.

dav

In der Woche ist der Parkplatz ok und nicht sonderlich voll, auch ein paar Schulbusfahrer machen hier Pause. Am Wochenende ändert sich das dramatisch und ich flüchte lieber zum Parkplatz eines nahen Jachtclubs. Denn ich bin mir nicht sicher, was der Alkohol- und Marihuana-Konsum mit den vielen Feiernden macht.

Cannabis wird in diesem Oktober in Kanada legalisiert. Doch schon seit der Entscheidung im Juni kümmert das offenbar niemand mehr. Es wird überall, nicht nur am Strand, gerne und unüberriechbar gekifft.

Gezwungenermaßen bin ich eine Woche lang in Toronto. Die Geschichte gibt es hier zu lesen: In Alans WerkstattDer Ladebooster, das unbekannte Wesen, und Ey, ich und Elektrik!

Aber außer mich um das Auto zu kümmern, Computerläden wegen des kaputten Displays abzuklappern und auf das verlorene Portemonnaie zu warten, mache ich natürlich auch die ganzen Touri-Dinge und erkunde die Stadt. Also mit dem Bus rein ins Getümmel.

Ein Muss ist der CN Tower.

Er ist 553 m hoch und war von 1975 bis 2007 der höchste Turm der Welt – bis das Burj Khalifa in Dubai ihn überholte. Inzwischen ist er weltweit nur noch auf Platz 8, da zwischen 2010 und 2017 vor allem in Asien Türme wie der Tokyo Sky Tree oder der Shanghai Tower, aber auch das Mecca Royal Clock Tower Hotel mit jeweils über 600 m Höhe gebaut wurden.

Direkt gegenüber ist das Rogers Center. Das ist ein Multifunktionsstadion, dass die Toronto Blue Jays für Baseballspiele nutzen, in dem aber auch Football, Messen und Konzerte stattfinden. Leute stehen vor den Eingängen, Mädchen sind verkleidet im Stil von… Taylor Swift. Denn die spielt heute in zwei Stunden hier, wo ich grade zufällig stehe.

Ich überlege, ob es wohl noch Karten gibt und was die dann kosten und frage an der Kasse nach. Da kommt eine Frau auf mich zu und fragt, ob ich eine Karte von ihnen haben will, sie haben wegen Krankheit eine übrig. Sie sind extra aus dem 3400 km entfernten Calgary angereist, es ist das einzige Konzert in Kanada. Also ändere ich meine Pläne, kaufe ihr das Ticket zum halben Preis ab und habe mir Taylor Swift mit ihnen und mit 60.000 Anderen angesehen. Und das in Reihe 15! Was für eine Show…

sdr

Toronto’s first Post Office.

Dank des Tipps von Sophia und Eric besuche ich in der Adelaide Street East noch Torontos erstes Postamt aus dem Jahr 1833. Es ist im vorderen Teil immer noch in Betrieb, hinten ist es ein Museum.

Hier kann man echte Briefe mit Feder und Tinte schreiben. Man muss den richtigen Federkiel für sich finden und erst mal ganz schön üben, bevor man etwas einigermaßen Leserliches zustande bringt.

mde

Für mich gelten noch dazu verschärfte Bedingungen, denn alle Federn sind für Rechtshänder gemacht. Dazu wurden die äußeren Federn eines linken Gänseflügels genommen, da die durch ihre Krümmung gut in der rechten Hand liegen. Nimmt man diese Federn als Linkshänder, dreht sich die Feder beim Schreiben öfters weg… Das gibt reichlich Tintenflecken. Löschpapier gab es damals auch nicht. Stattdessen wurde zum Trocknen etwas Sand auf die frische Tinte geschüttet.

Zum Schluss wird das Blatt Papier so gefaltet, dass es sein eigener Umschlag ist. Und dieser wird mit über einer Kerze erhitztem Siegellack und einem Stempel versiegelt. Man muss schnell sein! Sehr cool und sehr nostalgisch.

Auf dem CN Tower.

Für den übernächsten Tag reserviere ich einen Platz im rotierenden Restaurant des CN Towers. Der Eintritt zur Aussichtsplattform ohne Restaurant kostet schon 38,- Dollar, das günstigste Menü nur 65,- Dollar – inklusive Terrasse. Also gehe ich zum ersten Mal in Kanada richtig schick Essen, in 351 m Höhe.

Es ist nur für spät abends um 21:15 Uhr etwas frei. Ich hoffe auf noch etwas Restlicht vom Sonnenuntergang. Leider werde ich den Ausblick nicht mehr im Hellen sehen.

Aber die Aussicht auf die nächtliche Stadt ist auch einfach überwältigend. Dieser fantastische Blick über die Straßen und Hochhäuser mit ihren hunderttausenden Lichtern. Wahnsinn! Diese Höhe und der Ausblick, was für andere der glatte Horror sein kann, ist für mich ein geradezu spirituelles Erlebnis.

mde

Und auf den Glasboden in 342 m Höhe muss ich natürlich auch. NATÜRLICH.

Er könnte 3,5 Orcas tragen.

Oder 3493 Rupert-Waschbären.

Ich hätte ja auch draußen diesen Edge Walk gemacht, wo man angeleint aussen auf einen Gitter über der Kante hängt… aber der Kostet 225,- Dollar, das war mir dann doch einfach zu viel.

Und hier in Kanada sind alle Preise netto ausgezeichnet, OHNE Steuer! Die 15% kommen jedes mal noch dazu. Auch im Geschäft und beim Essen. Ich bin noch jedes Mal irritiert, weil es immer teurer ist, als man gelesen hat…

Aber auch von unten übt die Stadt bei Nacht einen ganz besonderen Reiz aus.

Das Highlight im wahrsten Sinne des Wortes ist der beleuchtete Schriftzug auf dem Platz vor dem neuen Rathaus von Toronto.

Stundenlang kann ich dem Farbenspiel, den wechselnden Lichtstimmungen und den vielen Menschen zusehen. Je dunkler es wird, desto schöner wird es. Und die Leute werden nicht müde, sich als Schattenspiel fotografieren zu lassen.

bty

Ich mache natürlich auch mit!

cof

5 Gedanken zu “Toronto

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