Kanadische Gastfreundschaft 2

Am nächsten Tag will Paul mir die Wasserfälle zeigen, aber ich frage ihn, ob er sich meinen Keilriemen ansehen kann. Denn bei Alan hat sich einer leider gedreht, läuft jetzt etwas im Bogen und ist an den Kanten ausgefrast. Paul ist dafür, ihn zu tauschen. Und wenn, dann müssen beide getauscht werden. Er weiß natürlich, wo es Autoteile gibt und er fährt mit mir gleich ins nächste Industriegebiet.

Aber schon Alan konnte ja keinen Ersatz organisieren. Wir werden auch erst im zweiten Laden fündig, und es ist nur einer da. Der Zweite muss bestellt werden. Also muss ich nun auch noch auf den Keilriemen warten. Weitere fünf Tage Verzögerung der Reise. Aber es gibt schlimmere Ecken um festzustecken, als die Niagarafälle und ich gehe lieber auf Nummer sicher. In den nächten Tagen genieße ich also dieses Weltwunder ausgiebig.

Auf dem Rückweg fährt Paul noch mit mir zum Welland Canal, dem Schiffsweg um die Niagarafälle, um mir die großen Schleusen zu zeigen. Ich erlebe hautnah, wie ein riesiges Frachtschiff an uns vorbeifährt.

Dann verabschiede ich mich von Paul und Jen. Ich darf jederzeit wiederkommen und in der Einfahrt parken. Paul würde mich außerdem gerne in seine Hütte an der Georgian Bay einladen und Jen fährt in einer Woche auf ihr Hausboot, wo ich ebenfalls herzlich Willkommen bin.

Aber meine Route geht über die Bruce Halbinsel, ich komme also nicht an Pauls Hütte vorbei. Wir wollen in Kontakt bleiben. Und man sieht sich ja immer zweimal im Leben.

Matt aus Niagara Falls, Ontario.

In Niagara Falls versuche ich meinen Laptop zu reparieren. Ich suche im Internet nach Läden und laufe dann von Pontius nach Pilatus, finde aber keine Lösung. Seit Toronto flackert der Bildschirm nur noch in Karomustern.

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Bei Niagara Computers, ziemlich außerhalb der Stadt, treffe ich dann auf Matt. Er ist sehr nett und hilfsbereit, meint aber, dass es Wochen dauern würde, vielleicht zwei Monate um das Display zu bekommen, falls es aus Asien geliefert werden muss.

Da ich ähnliche Aussagen nun mehrfach gehört und im Reparaturladen in Toronto ja bereits die Auskunft bekommen habe, dass mein Modell nicht auf Lager ist, entschließe ich mich schweren Herzens, das Gerät doch zurück nach Deutschland zu Saturn zu schicken. Denn auch die Suche, nach einem externen Bildschirm ergab nichts. Für einen richtigen Monitor habe ich weder Platz, noch genug Strom. Und Tablets haben keine Anschlussmöglichkeit.

Aber ich habe nun seit über zwei Wochen keinen Zugriff, um das Handy, Router oder die Kreditkarte aufzuladen. Alle Guthaben sind aufgebraucht. Außerdem müsste ich die Daten auf dem Laptop noch mal sichern, bevor ich es wegschicke.

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Niagara Computers, Screenshot aus Google Streetview

Also fahre ich am nächsten Tag wieder zu Niagara Computers und frage, ob ich einen Monitor nutzen dürfte, denn das hatte gestern beim Test super geklappt. Damit war der Rechner ganz normal zu nutzen, es ist wirklich nur das Display defekt.

Matt bietet mir sofort einen freien Schreibtisch an. Kein Problem! “Brauchst du Strom? Einen Adapter?“
Und dann kann ich endlich über den externen Monitor wieder Arbeiten. WLAN darf ich natürlich auch nutzen. Und so sitze und arbeite ich fast fünf Stunden in den Laden und kann alle Guthaben aufladen und die wichtigsten Daten sichern.

Wir reden natürlich über’s Reisen. Matt war vor ein paar Jahren auf großer Europa Rundreise, weil seine Frau aus Ungarn kommt, und er möchte unbedingt nochmal hin. Er ist zudem ein Outdoor Enthusiast, der mit seinem Kanu zum Angeln an die entlegensten Seen in die Wildnis fährt.

Beim Drucken gibt es dann Netzwerkprobleme und Matt hilft mir eine halbe Stunde lang, an seinen Drucker zu kommen.

Am Ende möchte ich bezahlen. Aber Matt lehnt ab. Natürlich brauchte ich in dem Laden, in dem ich fünf Stunden gearbeitet habe und Matts Zeit in Anspruch genommen habe, nichts bezahlen…

Statt dessen sagt er ernsthaft und mehrfach: “Ich lade dich ein, zu einem Wochenende am See zum Fischen und Kanufahren. Ich bringe dir angeln bei!“

Wann habt ihr zum letzten Mal einen Fremden zum Angeln eingeladen, weil er in eurem Geschäft am Computer arbeiten wollte?

Leider, leider muss ich nun ablehnen. Wenn ich noch vor dem Winter in die Rockys will, muss ich leider weiter fahren. Es fängt der Herbst an und durch meine sechswöchige Verspätung ist das mit dem Wetter in den Bergen, im Yukon und in Alaska so eine Sache. Das wird schon jetzt nicht mehr alles klappen.

Aber vielen Dank allen Kanadiern, für eure absolut großartige Gastfreundschaft! Damit habe ich im Leben nicht gerechnet.

Es sollte noch besser kommen.
Nur das muss noch etwas warten, vorher habe ich noch andere Geschichten zu erzählen. 😉

4 Gedanken zu “Kanadische Gastfreundschaft 2

    1. Die haben schon allgemein einige Flaggen hier. Aber die Bilder sind vom Nationalfeiertag, dem Canada Day, da war wirklich überall geschmückt. Patriotisch sind sie schon, aber auf eine ruhige und angenehme Art. Sie wissen, was sie an ihrem Land haben mit der Freiheit und Offenheit. Ziemlich cool!

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