Manitoulin Island – Insel der Geister. Und von Rick.

Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll! Heute war wieder ein fantastischer Tag!

Nach der unruhigen Nacht mit dem ungebetenen Besuch ist am nächsten Morgen wieder alles ruhig und die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel. Einem ausgedehnten Strandfrühstück steht nichts im Wege. Der Platz ist auch am Tag ein Traum!

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Aber wo bin ich hier überhaupt? Auf Manitoulin Island. ManiWAS? Nie vorher gehört! Dabei ist das jedoch die größte in einem See gelegene Insel der Welt. Sie liegt im Lake Huron. Und beherbergt noch dazu mit Lake Manitou auch den weltweit größten See auf einer Insel in einem See…

Im immerhin 104 Quadratkilometer großen Lake Manitou gibt es wiederum Inseln. Das sind dann Inseln in einem See auf einer Insel in einem See. Ok, unnützes Wissen für Fortgeschrittene…

Um zu sehen, wo man sich befindet, ist so eine Drohne auch außerordentlich hilfreich.

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Mit der Bruce Halbinsel zusammen, trennt Manitoulin Island die Georgian Bay vom Huronsee ab.

Manitoulin bedeutet Geisterinsel und sie wurde schon vor 10.000 Jahren von den First Nations bewohnt. TRAVEL IN GOOD SPIRITS stand auf der indianisch bemalten Fähre mit Namen “Chi-Cheemaun“, was in der Sprache der Ojibwe “großes Kanu“ bedeutet. Und die guten Geister scheinen tatsächlich hier zu wohnen.

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Manitoulin hat eine beschauliche, angenehme Atmosphäre. Leichte Hügel, teils bewaldet, teils landwirtschaftlich genutzt. Alles umgeben vom klaren, grünblauen Wasser des Hurosees.

Das möchte ich gerne nochmal filmen und fahre nach South Baymouth zurück, wo ich auf Karten einen schönen Küstenabschitt gesehen habe. Die Sonne scheint den ganzen Tag warm und angenehm und tut das Ihre zur guten Stimmung.

Aber der Weg, den ich gehen will, ist leider wieder privat. Also frage ich einen Mann am Hafen, ob man da her dürfte und ob das Parken kostet? Er erklärt mir einen anderen Weg, es sei ein offroad path.

Und das ist er! Liebevoll privat angelegt mit Schnitzereien am Weg. Und das Beste: Am Anfang stehen gratis Wanderstöcke zum Ausleihen, weil der Weg über Stock und Stein, durch Sumpf und über von eiszeitlichen Gletschern abgeschliffene Felsen geht. Total urig gelange ich so zu “Make Believe Island“ – der scheinbaren Insel. Hier ist irgendwie alles verzaubert und märchenhaft.

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Am Ufer dann die erhoffte grün-blaue Unterwasserwelt, die ich ein weiteres Mal mit der Drohne in einfangen kann.

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So weit, so gut. Es war ein wunderbarer Tag, mit dem Highlight des unerwarteten, genialen Trails.

Also laufe ich zurück, als die Sonne schon tief steht und bevor es dunkel wird. Der Mann am Hafen ist noch da. Ich gehe kurz hin und bedanke mich für den guten Rat. Er ist mir ein bisschen komisch. Ich will eigentlich schnell wieder weg. Er redet auch etwas seltsam. Trotzdem kommen wir, wie so oft hier, ins Gespräch.

Er hilft mir herauszufinden, welches Tier gestern bei mir auf dem Auto war. Er ist sich sicher, es war ein Mink. Er kennt sich mit der hiesigen Tierwelt gut aus. Eine Wasserschlange schwimmt im Hafen vorbei. Als er fragt, wo ich herkommen und ich Deutschland erwähne, wechselt er die Sprache. Er ist Kanadier, aber seine Familie kommt aus Deutschland und sein Bruder wohnt in Mannheim.

Er sitz den ganzen Tag in einem Anhänger und wiegt und dokumentiert die Fische, die die Angler fangen, denn am Sonntag ist ein großer Fischfang-Wettbewerb mit 700 Teilnehmern. Ein einziger Angler kommt in der Zeit, wo ich da bin, zur Registrierung. Er hat einen kapitalen Lachs gefangen, 12 oder 13 Pfund schwer!

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Der Mann aus dem Anhänger fragt, ob ich hier schon Fisch gegessen hätte? „Nein,“ sage ich, „hier nicht.“

Vorher hat er mir schon unendlich viele Tipps gegeben, was ich hier tun sollte.

Und wo ich übernachten sollte. Denn es gäbe einen städtischen Campingplatz, der dieses Jahr kostenlos sei, weil der Ort es nicht hinkriegt, die Gebühren einzutreiben. Er rollt mit den Augen. Mit Toiletten und allem. Das wäre gleich hinter seiner Wohnung. Nicht an der Lakeshore Road, da hätte ich nur Ärger mit dem Mink und keine Dusche.

Obwohl es nur 500 m und einfach eine Straße weiter ist, sucht er 20 Minuten in Google Maps für mich. Aber der Empfang im Hafen ist zu schlecht. Er rollt mit den Augen.

Also die Frage, ob ich hier schon Fisch gegessen hätte? “Nein,“ sage ich, “hier nicht.“

Er ist fassungslos! Das kann nicht sein! Ich bin hier auf der Insel, wo es in Seen und Flüssen von Fischen wimmelt und wo grade ein Angelwettbewerb läuft und hatte noch keinen Fisch?! Er rollt mit den Augen und schüttelt den Kopf:

“Ich gebe dir welchen. Ich sage meiner Frau Bescheid, die gibt dir zwei Stücke Lachs.“ Und schon tippt er auf dem Handy.

Ich weiß nicht recht, was ich sagen soll… Warum will mir der fremde Mann Fisch schenken? Und ich kann doch nicht zu irgendeinem Haus fahren, um mir Fisch geben zu lassen. Also sage ich, dass ich ihn nicht einfrieren kann und keinen großen Kühlschrank habe.

“Das ist kein Problem, die Stücke sind grade eingefroren.“, meint er. “Eins kannst du heute grillen, das Andere hält sich bis morgen.“ Dann macht er einfach mit dem Handy ein Foto von mir und schickt es ebenfalls seiner Frau: “Dieser Herr kommt gleich vorbei und holt den Fisch ab.“

Wir reden weiter. Ich weiß immer noch nicht, ob ich das annehmen soll. Aber da gibt es gar kein Vertun! Er rollt mit den Augen: “Du fährst jetzt zur Hausnummer 66. Meine Frau wartet schon. Die zeigt dir auch den Weg zu dem Campingplatz.“

Ob ich wüsste, wie man Lachs zubereitet?
“Ähm, noch nie gemacht.“, sage ich.
Oh mein Gott! Er rollt mit den Augen und schüttelt den Kopf.

Jetzt ruft er seine Frau an: “Packe noch das Black Seasoning (eine scharfe Gewürzmischung), ein Wasser und eine Cola mit ein!“ Sehe ich so hilfsbedürftig und bemitleidenswert aus??

Dann macht er auch noch ein Foto von meinem Auto und schickt es wieder seiner Frau: “Der Gentleman kommt mit diesem Auto. Er ist in zwei Minuten da.“ Ich füge mich im mein Schicksal und bedanke mich tausendmal.

“Und morgen früh kommst Du vorbei! Wir machen Kaffee. Ich heiße Rick und meine Frau Diana. Aber beeil dich, Diane wollte grade ins Bett gehen.“ Sagt er und rollt mit den Augen. Gegen Rick ist kein Kraut gewachsen. Also dann bis morgen zum Kaffee!

Als ich nach kurzer Fahrt bei Hausnummer 66 ankomme, kommt Diana mit einem Beutel mit allem Bestellten auf mich zu und drückt ihn mir noch während ich aussteige in die Hand: “Enjoy! Mit der Haut nach unten zuerst anbraten, das Gewürz drüber streuen, that’s it. Have a nice evening!“ Und schon verschwindet sie wieder in ihrem großen Campingwagen, in dem sie dauerhaft wohnen.

Ich stehe verdattert da und weiß nicht, was ich sagen soll! Die Tüte ist richtig schwer…

Um die Ecke ist auch der kostenlose Campingplatz. Ich komme richtig in Stress. Ich muss jetzt zum ersten Mal Lachs braten! Im Dunkeln. Ich baue schnell Campingkocher, Tisch und alles andere auf, sprühe mich gegen die Mücken ein und zünde zum ersten Mal so eine Räucherspirale gegen Insekten an. Denn jetzt in der Dämmerung und kurz danach sind die Viehcher am aktivsten.

Und dann kommt eines der riesigen, wirkliche riesigen Lachsfilets in die Pfanne. Es dauert ewig, es zu braten, aber es gelingt irgendwann. Es schmeckt unvergleichlich gut und ist so groß, dass ich es kaum aufbekomme – ohne irgendeine Beilage.

Was ist das für ein Land? Was sind das für Leute? Ja, ich falle auf, mit meinem Auto. Und ich bin als Reisender interessant. Aber diese Einladungen…?!

Der kannte nicht mal meinen Namen und schenkt mir zwei riesige Lachsfilets! Ich habe im CN Tower in Toronto auch Lachs gegessen. Für 65,- Dollar und das war ehr ein Sechstel als ein Viertel eines dieser beiden Brocken. Wann habt ihr das letzte Mal jemandem Fisch geschenkt, weil er euch nach dem Weg gefragt hat?

Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll!

mde

mde

6 Gedanken zu “Manitoulin Island – Insel der Geister. Und von Rick.

  1. Hey dominic !
    It is Gaspard from the park area of the cascade cirque (i think it was that)
    Your blog has a lot of content it s realy nice.
    I wait for your feedbacks of rockies, are you still there ?
    Me, im doing the pacific rim road, in Vancouver island, it must be wonderful. I take the ferry tomorow.

    Hope you traveling good !

    Au revoir, l’ami.

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    1. Salut Gaspard!
      Yes, it was at cascade cirque! Nice to hear from you! The blog has a pretty delay right now, i have to work on that. On Facebook it is more recent, but less detailled. Yes I am still in the Rockies, they are amazing this time of the trat. But on the other hand much colder than the coast.

      I heard a lot of good about the Pacific Rim Road, hope you have good experiences there! Hope to hear from you again, telling about it. 🙂

      Save and nice travels for you.
      Take care!

      Au revoir, l’ami.
      Dominik

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