The Great Lakes – weiter am Lake Huron

Ich kenne sie aus der Schule. Und habe sie eigentlich auch wieder vergessen, die großen amerikanischen Seen. Wie viele gibt es davon? Äh, fünf, ja genau! Wie heißen sie nochmal? Ähm… Michigan, .. Oberer, ähm… Erie, ähm…

Ja, so stand ich auch da. Man muss schon auf die Landkarte gucken, um sich das wieder in Erinnerung zu rufen.

The Great Lakes - die großen Seen
The Great Lakes – die großen Seen Quelle: wikipedia.org/wiki/Große_Seen

Lake Ontario

Nun bin ich hier und erlebe sie plötzlich ganz hautnah. Immerhin drei der fünf großen Seen. Zuerst kam ich nach meiner Batterie-Panne am Lake Ontario an. Das war ein toller Moment. Zum ersten Mal an solch einem Ufer stehen. Zum ersten Mal sich wundern, dass man das andere Ufer nicht sieht. Statt dessen die Erdkrümmung. Zum ersten Mal dieses ich-bin-am-Meer-aber-es-ist-kein-Meer-Gefühl.

Ich verwende hier lieber die einheimischen Bezeichnungen. Und Lake Superior hört sich auch besser an, als Oberer See. 😉

In Toronto habe ich lange am Lake Ontario gewohnt. Ich habe mich an Cherry Beach über sein warmes Wasser gefreut und bin jeden Morgen in ihm geschwommen. Auch, wenn es teilweise ein wenig trübe war. Das bringt die viele Zivilisation und Industrie an seinen Ufern und auch einfach die Wärme nun mal mit sich. Die Wasserqualität wurde aber kontrolliert und war immer in Ordnung.

Lake Erie habe ich dann nur erahnen können, als ich auf dem Skylon Tower an den Niagarafällen war. Jedenfalls bildet der Niagara River die 58 km kurze Verbindung zwischen Lake Erie und Lake Ontario. Ich bewege mich ja quasi rückwärts, wenn man von den Seen ausgeht. Sie fließen vom einen in den anderen und Lake Ontario ist der letzte, der dann über den St. Lorenz Strom in den Atlantik mündet.

Lake Huron

Lake Huron als mittlerer See kann darum schon mit viel klarerem, türkisem Wasser und den tollen Geschichten von der Bruce Halbinsel und Manitoulin Island aufwarten.

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Leider ist er im weiteren Verlauf von Espanola bis Sault Ste. Marie dann sehr zugewachsen und unzugänglich, so dass ich vom Lake Huron nicht mehr viel zu sehen bekomme.

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Lake Huron auf Manitoulin Island 

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Lake Huron auf der Bruce Halbinsel

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Außerdem sitzt mir noch die Zeit im Nacken. Ich habe keine Muße, mich aufzuhalten und Abstecher zu machen. Ich wollte nach Yukon und Alaska. Das waren mit die wichtigsten der wenigen gesteckten Ziele der Reise. Aber ich bin eh schon spät gestartet für dieses Vorhaben. Und durch den verkorksten Start und die ganzen Verzögerungen kristallisiert sich langsam heraus, dass ich das nicht mehr schaffe in diesem Jahr.

Alaska liegt zu weit im Norden. Der Sommer dort ist zu kurz. Es ist jetzt Ende August, ich bin noch am Lake Huron und hätte noch 6000 km bis Fairbanks in Alaska vor mir. Und ich komme auch zu langsam voran.

Denn ich sehe es dann auf der anderen Seite auch nicht als den Sinn des Ganzen an, überall nur durchzuhetzten. Und alle Einladungen wie z.B. von Rick auszuschlagen, nur um schneller voran zu kommen.

Leider sind die Bilder für diesen Artikel auf einer Speicherkarte, die nicht mehr lesbar ist. 😦 Also habe ich oben die Bilder aus den älteren Beiträgen genommen. Sollte ich die anderen Fotos noch ausgelesen bekommen, füge ich sie noch ein. Ansonsten wird das dann mal ein reiner Leseartikel.

Sault Ste. Marie

So erreiche ich die Zwillingsstadt Sault Ste. Marie, die durch den British-Amerikanischen Krieg (1812-1814) geteilt wurde. Sie liegt auf beiden Seiten des St. Mary Rivers, der nur 120 km langen Verbindung zwischen Lake Huron und Lake Superior. Die namensgebenden Stromschnellen (französisch = Sault, gesprochen Su, mit scharfem S) werden durch 8 m hohe Schleusen überwunden. Auf der kanadischen Seite kann man den historischen, nicht mehr im Betrieb befindlichen Teil besichtigen, auf der amerikanischen Seite auch den aktuellen.

Eine große Brücke, unter der auch die Laker-Schiffe hindurch passen, führt in die USA.

The Emergency Swing Dam

Besonderes interessant ist der riesige ‚Emergency Swing Dam‘, der Notfall-Drehbrücken-Damm von 1896. Komisches Wort für ein ungewöhnliches Bauwerk.

Um den enormen Wasserfluss im Fall einer Beschädigung der Schleuse zu verringern, wurde ihr vorgelagert eine 113 m lange, drehbare Stahlkonstruktion errichtet – ein riesiges Dreieck aus Stahlstreben. Sie sieht fast aus, wie ein doppelter, liegender Eiffelturm. Sie steht parallel zum Kanal und wurde nur im Ernstfall gedreht, um eine Hälfte dieser Drehbrücke über das fließende Wasser zu bringen. Die andere Hälfte ist das Gegengewicht.

Weltweit gab es nur 9 solcher Brücken, unter anderem auch am Panamakanal. Und diese hier ist nicht nur die Größte ihrer Art, sondern auch die letzte Verbliebene und die Einzige, die jemals zum Einsatz gekommen ist!

1909 rammte ein Schiff die Schleuse, sodass die oberen Tore brachen. Das Wasser des gesamten Flusses schoß hindurch, das Unglücksschiff und zwei weitere Schiffe in der Schleuse wurden stromabwärts gespült und beschädigten die Schleuse noch weiter. Das Wasser riß sogar die schweren unteren Schleusentore mit sich, solche Gewalt entwickelten die entfesselten Fluten. Der Emergency Swing Dam kam zum ersten und einzigen Mal zum Einsatz. Er war zuvor auch niemals unter echten Bedingungen getestet worden.

Doch der Motor versagte, so dass die schwere Drehbrücke von Hand, beziehungsweise mit Hilfe von Ochsen gedreht werden musste.

Dann konnten die 23 Rahmen mit massiven Stahlplatten herunter gelassen werden, die dann den Durchfluss soweit verringerten, dass die Schleuse repariert werden konnte. Es hat tatsächlich funktioniert! Später wurden diese Drehbrücken durch hydraulische Wehre ersetzt.

Canadian Bushplane Heritage Centre

Außerdem schaue ich mir hier das Canadian Bushplane Museum an. Hier wird vorallem gezeigt, wie und womit die Kanadier die großen Waldbrände bekämpfen. Es ist beeindruckend, wie in einem Film gezeigt wird, wie die Einheiten am Boden und in der Luft zusammenarbeiten, um die teilweise riesigen Waldbrände einzudämmen und Siedlungen zu schützen. Um die 20 historische und aktuelle Flugobjekte sind hier in einem Hangar ausgestellt.

Das größte ausgestellte Löschwasserflugzeug ist eine Canadair CL-215. Das ist ein eigens dafür konstruiertes Flugboot mit 19,8 m Länge und 28,6 m Spannweite. Es kann im Flug bei 150 km/h innerhalb weniger Sekunden aus einem See knapp 5 Tonnen Wasser aufnehmen und dann im Flug auch wieder abwerfen. Dies ist die schnellste und effektivste Möglichkeit zur Feuerbekämpfung. Wichtig ist, dass sich im Abwurfgebiet keine Feuerwehrleute mehr aufhalten. Unter der Wucht des abgeworfen Wassers brechen sogar Bäume.

Durch sein übergroßes Seitenleitwerk („Heckfkosse“) ist es ihm sogar möglich, Wasser in größeren Flüssen aufzunehmen und trotz des großen Widerstandes währenddessen dem gewundenen Flusslauf zu folgen.

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Canadair CL-215 im Einsatz. Quelle: wikipedia.org/wiki/Canadair_CL-215

Nach dem ich Sault Ste. Marie verlasse, ist die nächste große Stadt erst wieder Thunder Bay. Die liegt am anderen Ufer des Lake Superiors. Als ich das Navi einstelle, sagt es mir:

“Folgen Sie der Route für 694 Kilometer.“

Ich schalte das Navi wieder aus. Das werde ich die nächsten Tage wohl nicht mehr brauchen.

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