Von einem (nicht) fliegenden Laptop

Im November 2018 komme ich in Vancouver, BC an. Ein Meilenstein der Reise, denn damit bin ich einmal quer durch Kanada. Weiter nach Norden, nach Yukon und Alaska, habe ich es auf Grund der Pannen, meiner Reisegeschwindigkeit und damit der Jahreszeiten nicht geschafft. Das bleibt also ein Traum und wartet darauf, in der Zukunft wahr gemacht zu werden. Aber nicht nur der Winter erlaubt es mir nicht mehr, dorthin zu fahren. Auch die 6 Monate visumfreie Zeit für Kanada neigen sich dem Ende entgegen. Und ich muss in Vancouver erstmal viel organisieren und erledigen.

Nicht nur die Weihnachtspost will pünktlich abgeschickt werden. Ich muss den Jung durchchecken lassen, ein paar Änderungen vornehmen, neues Gas besorgen, ein amerikanisches Ladegerät aussuchen und zur Batterie einbauen, die Kfz-Versicherung und Einreisebestimmungen für die USA klären, meine Brille reparieren, und last but not least mein Laptop endlich zurückbekommen.

Mein Laptop…

Den habe ich vier Monate vorher beim  Murmeltier Willi in Wiarton nach Deutschland zurückgeschickt, weil das Display kaputtgegangen ist. Ihn hier reparieren zu lassen hätte bedeutet, dass ich vier bis acht Wochen an einem Ort hätte bleiben müssen. Und das war ja nun nicht der Sinn der Reise. Schon diese Organisation hat mich viel Zeit gekostet. Noch schwieriger sollte es aber werden, ihn zurückzubekommen…

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Ein Problem ist, dass ich keine Adresse in Kanada habe. Für eine postlagernde Sendung muss man in der entsprechenden Filiale persönlich erscheinen und sich ausweisen. Um Schmuggel oder Terrorismus zu unterbinden oder so. Das ist für mich das gleiche Problem wie mit der Reparatur – ich möchte es natürlich vorausschicken und nicht an einem Ort auf das Paket warten. Auch einen Neukauf ziehe ich in Erwägung, aber dann fehlen mir nicht nur meine Daten und Programme. Die Tastatur ist amerikanisch, ich muss Office und Lightroom usw. neu kaufen und für das, was ich brauche, müsste ich auch einiges investieren. Es lohnt also nicht.

Die Suche nach einem Spediteur

Zuerst klappere ich in vielen Städten über das halbe Land verteilt die Canada Post ab, aber ich laufe vor Wände. Niemand gibt mit Telefonnummern anderer Filialen, ich bekomme stattdessen Zettel, die nur für Kanadier sind. Ich bitte um Hilfe, aber sie können nichts tun. Dann versuche ich es mit UPS und DHL anstatt mit der kanadischen Post. Keiner kann oder will mir helfen. Eine Frau mit indisch klingendem Namen aus Vancouver sagt mir am Telefon erst, dass es nicht geht. Dann will sie 50 Dollar zusätzlich nehmen, für das Risiko, dass ich ihr Drogen schicken könnte und sie dann die Polizei am Hals hat. Schließlich will ich das Paket einfach an das DHL Frachtzentrum am Flughafen schicken lassen, als die Rettung in Form von Sophia und Eric daherkommt.

Die beiden haben in Vancouver ein Zimmer bezogen und arbeiten zwei Monate lang dort, um die Reisekasse wieder aufzufüllen. Und an diese Adresse kann ich das Paket dann problemlos schicken.

Problemlos ist jedoch nur die nun vorhandene kanadische Adresse. Denn DHL in Deutschland liefert das Paket nicht aus, sondern schickt es postwendend zum Absender zurück. Es handele sich um Gefahrgut. Es folgt eine lange Recherche, bis ich verstehe, was vorliegt. In dem Laptop sind natürlich Akkus. Lithium-Ionen-Akkus. Die sind Gefahrgut, weil sie theoretisch explodieren und brennen können. Dafür gibt es weltweite Vorschriften. Und DHL bietet das nur in Deutschland an. Nicht in international.

Warum ist das auf einmal so schwierig?!

Von Kanada nach Deutschland ging es auch ganz problemlos. Und ich habe das Gerät doch auch auf dem Hinflug ganz banal im Handgepäck mitgebracht. Und so machen das doch tausende Leute täglich!

Der Unterschied, wie wir dann herausfinden, ist der Druck in der Passagierkabine. Damit wir uns im Flugzeug wohlfühlen, wird in der Kabine ein künstlicher Druck erzeugt, wie auf etwa 2000 m über dem Meeresspiegel. Auch, wenn der Flieger in 12 Kilometer Höhe über den Ozean rauscht. In den Frachträumen ist das nicht nötig, dort gibt es diesen Druckausgleich nicht. Durch den niedrigen Umgebungsdruck, können sich Akkus aufblähen und schließlich platzen und explodieren. Das will natürlich besonders im Flugzeug keiner haben. Darum werden Geräte mit Akkus ab einer bestimmten Kapazität in Metallkisten transportiert und müssen mit besonderen Formularen deklariert werden.

Die Zeit läuft mir davon

Na toll. Bis Weihnachten muss ich das Land verlassen. Wenn mein Laptop bis dahin nicht hier ist, kann ich es nicht mehr abholen. Aber durch die Retoure durch DHL und die ganzen Erkundigungen und Vorschriften, dauert und dauert es. Es ist nun auch in Deutschland ein Gerenne zu Postfilialen, Zoll, Spediteuren und endet schließlich doch wieder bei UPS. Dort kostet die Sendung 110,- Euro statt 49,- bei DHL. FedEx würde sogar 170,- Euro nehmen.

Als es endlich verschickt werden kann, bleibt es dann noch im kanadischen Zoll hängen, weil irgendein Kreuz auf einem Formular fehlte, dass UPS die Abwicklung übernehmen soll. Außerdem wird Sophia von UPS nicht als Empfänger akzeptiert, weil sie nicht unter der Adresse registriert ist. Nur ihr Vermieter Gabor kann nach einem tagelangen Hin und Her schließlich persönlich das Paket abholen und muss noch die Importgebühr von 180,- Dollar auslegen. Für ein Gerät, das man im Flugzeug kostenlos mit ins Land bringen durfte.

Der Laptop ist zurück

Aber eine knappe Woche vor Weihnachten, meiner Deadline, ist er dann da und ich kann ihn bei meinen Helfern abholen. Puh! Es hat mich und alle Laptop-Mitstreiter fast den letzten Nerv gekostet. Aber endlich, endlich ist das Gerät wieder da. Jetzt kann ich an die Bilder und Videos und muss nicht mehr ständig Speicherkarten nachkaufen. Es wartet viel Arbeit mit dem Sortieren und Sichern von tausenden von Dateien aus den letzten vier Monaten.

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5 Gedanken zu “Von einem (nicht) fliegenden Laptop

    1. Ja, das war eine spannende Sache zum Schluss und ein viermonatiger Bremsklotz für die Reise. Aber irgenwann und irgenwie löst sich ja alles. Auch dank hilfreicher Menschen überall. Und Geschichten hätte ich noch genug für die nächten paar Jahre. Ich hoffe, ich komme dazu das aufzuschreiben. 🙂

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