Von 16.000 fliegenden Teddybären

Wiedersehen in Vancouver

Ich freue mich sehr, Sophia und Eric in Vancouver wiederzusehen. Es ist unser viertes Treffen auf der Reise und wir haben viele ähnliche Dinge erlebt. Und jetzt helfen sie mir, mein Laptop wiederzubekommen. Da sie ja jetzt hier wohnen, und ich nun auch drei Wochen hier Station mache, treffen wir uns öfter. Mal geht’s zur Brauerei, mal zum Sushi essen und dann lädt mich sogar ihr Vermieter Gabor zum Abendessen ein. Wieder eine dieser Einladungen. Außerdem ist Gabor Fan des Eishockeyclubs „Vancouver Giants“. Eishockey gehört so sehr zu Kanada, dass es hier einfach nur Hockey genannt wird. Kinder lernen von klein auf Schlittschuhlaufen und in jedem Dorf gibt es Eishockeyhallen und -vereine. Eishockey ist in Kanada das, was in Deutschland der Fußball ist. Entsprechend groß ist der Zulauf an Zuschauern bei den Proficlubs.

Die Junior League, also die U20, spielt in einer Halle mit 16.000 Sitzplätzen. Außerdem ist Teddy Bear Toss Night. „Was ist Teddy Bear Toss Night?“, frage ich.

Teddy Bear Toss Night

Vor Weihnachten gibt es besonders bei den Junioren der nordwest-amerikanischen Eishockey-League diesen Brauch. Dabei bringen die Zuschauer Teddybären und Kuscheltiere aller Art mit ins Stadion. Beim ersten Tor der Heimmannschaft wirft dann jeder sein Teddy auf die Eisfläche. Die Stofftiere werden eingesammelt und an Kinderheime und Krankenhäuser gespendet. Und manchmal werden sie sogar von den Spielern persönlich an Kinder übergeben, was natürlich eine große Sache für die Kids ist. Eine sehr schöne Geste!

Und ich darf dieses unglaubliche Spektakel im Dezember 2018 beim Spiel der Vancouver Giants gegen die Victoria Royals erleben. Natürlich kaufe ich im Foyer schnell noch einen Bären, damit ich auch was zu werfen habe.

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Die Vancouver Giants sind mir auch gleich sympathisch, denn sie laufen zu diesem Event mit grünen Trikots in Weihnachtselfen-Design auf. Das erinnert mich stark an die Karnevalstrikots vom 1. FC Köln. Und diese Art von Humor finde ich einfach klasse. Für alle, die keine Weihnachtselfen kennen, kann ich den Film „Buddy – Der Weihnachtself“ nur empfehlen. Den gucken wir alle zusammen nach dem Spiel bei Gabor zu Hause im Kinokeller. Natürlich werde ich wieder mit eingeladen.

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Ein Eishockeyspiel in Kanada

Das Eishockeyspiel selbst könnte spannender nicht sein. Die Giants hatten zuletzt eine ziemlich schlechte Phase, die Zuschauer sind leidgeprüft. Und im ersten Drittel läuft es auch überhaupt nicht gut. Die gegnerischen Victoria Royals haben eindeutig die Oberhand und verzeichnen dreimal so viele Torschüsse. Alle zittern und bangen und hoffen auf ein Tor der Giants.

Im zweiten Drittel kommen die dann besser ins Spiel und die Chancen und Spielanteile sind recht ausgeglichen, aber keiner Mannschaft gelingt ein Tor. Wie schade wäre es, wenn die Teddybären nicht als Torjubel geworfen werden würden? Die Ausweichmöglichkeit für den Fall, dass der Heimmannschaft kein Tor gelingt ist, dass die Bären nach dem Schlusspfiff geworfen würden. Eine traurige Alternative bei einer Niederlage.

Aber im letzten Drittel sind die Giants dann klar die aktivere und bessere Mannschaft, doch trotz aller Bemühungen, will der Puck einfach nicht ins Tor. Das Pressing der Giants nutzen die Royals drei Minuten vor Schluss und erzielen bei einem schnellen Konter den Führungstreffer. Einige Kids werfen schon ihre Bären. Aber das geht natürlich gar nicht, ein Tor der Gegner zu belohnen. Die Giants laufen nun Sturm und die Royals mauern und spielen auf Zeit, um den Vorsprung über die letzten Minuten zu retten.

Auf den letzten Drücker

Und dann klappte es doch noch! Eine Minute und 19 Sekunden vor Schluss schießen die Giants den Ausgleich. Nun gibt es kein Halten mehr! 16.000 Teddybären werden Richtung Eis geworfen. Es ist unglaublich! Die ganze Luft ist voll von Teddybären, die im Flug die lustigsten Posen abgeben. Ein wahrer Teddyregen geht auf das Spielfeld nieder.

Es sind keinesfalls nur kleine, handgroße Teddys dabei. Alle Größen, selbst 1,2 Meter Riesenbären fliegen zu Hauf durch die Luft. Natürlich kommen die nicht mit einem Wurf an. Und so wirft derjenige, bei dem sie landen, den Bären einfach weiter. Viele Kuscheltiere bleiben auch an der Glasabtrennung zum Spielfeld hängen. Und besonders, wenn die keinen Zuschauer ihn selbst über die Wand werfen wollen, braucht es doch oft etliche Anläufe, bis es gelingt.

 

Es ist eine verrückte Show, dem Treiben zuzusehen. Mitarbeiter der Arena haben sich etwas besonderes einfallen lassen und werfen von hoch oben vom Dachgerüst Teddys mit Fallschirmen ab.

Es braucht an die 50 Helfer um die Bären einzusammeln. Die Eismaschinen werden genauso zum Sammeln und Abtransportieren umfunktioniert, wie ein roter Pickup. Nein, dä Jung ist es leider nicht. 😉

Es dauert ewig, bis alles eingesammelt ist, aber es gibt so viel zu sehen, dass es keinesfalls langweilig ist. Auch die Spieler helfen mit und einige sichern sich einen großen Teddy um ihn später persönlich an kranke Kinder als Genesungshilfe zu übergeben.

 

Das Golden Goal

Schließlich sind alle Stofftiere doch vom Eis geholt und die Partie kann weitergehen. Denn es ist ja noch eine Minute zu spielen. Da in dieser Zeit kein Tor mehr fällt, geht die Partie in die Verlängerung. Und tatsächlich gelingt den Giants dann noch das Golden Goal, womit sie das Spiel gewinnen.

Was für ein spannendes Spiel mit Happy End und welch eine verrückte Tradition des Teddy Bear Toss in Vancouver. Dank Gabor, Sophia und Eric bin ich mit dabei gewesen.

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